Mit Interrail quer durch Europa: Elf Länder in zwei Monaten!

Mit Interrail quer durch Europa: Elf Länder in zwei Monaten!

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Entschuldigen Sie, ist das der Sonderzug nach Pankow? Ach, nimm den nächsten Zug. Der Zug hat keine Bremsen. Und so fährt ein Zug nach Nirgendwo. Nein, nach Nirgendwo sicherlich nicht. Sondern mit dem Zug durch ganz Europa! Alles, was du dazu brauchst, ist ein einziger Pass. Der Interrail-Pass. Ein Angebot, welches bereits mehrere Generationen in Anspruch genommen haben, schließlich gibt es das Interrail-Ticket bereits seit 1972. Meine Zeit war im Herbst 2021 gekommen.

Mit dem Zug durch ganz Europa

Mit einem einzigen Interrail-Pass kannst du in über 30 Ländern in Europa den Schienenverkehr von fast allen Bahngesellschaften nutzen und dir so deine individuelle Backpacking-Reise frei gestalten. Ganz spontan einfach an der nächsten Haltestelle einsteigen und nach Paris fahren. Allerhöchsten eine notwendige Sitzplatzreservierung könnte da einen Strich durch die Rechnung machen. Es gibt unzählige Variationen von Pässen, je nach Reisedauer, Reisetage (das sind die Tage, an denen du mit dem Zug fahren möchtest), Alter und Klasse. Falls du an einem Interrail-Pass interessiert bist, dann schaust du am besten selbst auf der Website von www.interrail.eu vorbei. Ich habe mich für die Option „15 Tage innerhalb von 2 Monate“ entschieden. Das heißt, dass ich theoretisch 15 Reiseziele mit der Bahn anfahren konnte innerhalb von zwei Monaten. Herausgekommen sind elf Länder in zwei Monaten!

Englisch als größte Herausforderung

Wie bereits in meinem vergangen Blogeintrag erwähnt, sollte meine Interrail-Tour die Generalprobe für Australien werden. Ich hatte vorher in meinem Leben noch nie in einem Hostel geschlafen. Also mehreren (fremden) Personen in einem Raum. Die Klassenfahrten in meiner Schulzeit zählen nicht. Oder sind Hostels die moderne Form von Jugendherbergen? Bei meinem Halt in der Schweiz war ich tatsächlich in einer alt-traditionellen Jugendherberge untergekommen. Aber auch unabhängig von der Unterkunft musste ich viele Angelegenheiten erstmal abchecken, bevor ich tausende Kilometer nach Down Under fliege. Unendliche Kapazitäten sucht man bei einem Backpack vergebens und von knitterfreier Wäsche kann man auch nur träumen. Also packt bloß keine Hemden ein oder eine hauchdünne Stoffhose. Du wirst sie nicht mehr anziehen, glaube es mir. Und die letzte große Sache, welche vor der ersten Mammutsaufgabe stand: mein Englisch. Dass ich starke Defizite bei meinen Englischkenntnissen aufweise, habe ich nie verschwiegen. Die Schuld sehe ich allerdings auch nicht bei mir. Schon während meiner frühen Schulzeit hatte sich das Dilemma angebahnt. Fast zwei Jahre war unser Englischlehrer erkrankt und einen wirklichen Ersatz gab es nie oder er kam zu spät. Und das nicht zur Unterrichtsstunde. Ich würde behaupten, dass ich die Lücke, die in den zwei Jahren entstanden ist, nie aufgeholt habe. So zog sich der rote Faden meines Hinterherseins bis zum Ende der Schulzeit und die ist inzwischen auch schon etwas weiter zurückliegend. Machen wir uns nichts vor. Mein Englisch ist im Eimer. Deswegen u. a. auch der Plan nach Australien zu gehen, um es dort zwangsläufig zu verbessern. Aber wenn die Kommunikation gänzlich ins Leere geführt hätte während meiner Europa-Tour, wäre ich auch gar nicht nach Australien geflogen.

Bei manchen Strecken benötigt man noch eine Platzreservierung

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Marathonlauf durch Europa

Meine erste Bahnfahrt nach Brüssel und damit der Startschuss in eine tierisch aufregende Zeit war Anfang Oktober 2021. Aus meiner Wohnung musste ich zwangsläufig raus, wie du bereits im Beitrag „14 Länder auf drei Kontinenten in zwei Jahren: Mein Weg zum Backpacking!“ erfahren hast, die Coronazahlen gingen zurück, Reisen war in Europa wieder möglich und in den südeuropäischen Ländern war es noch warm und sonnig. Mit allen Urlaubstagen, die mir in diesem Jahr zur Verfügung standen, habe ich mich also in acht Wochen Sightseeing gestürzt. Hardcore-Sightseeing. Denn im Durchschnitt war ich lediglich drei Tage in jeder Stadt. Zwei Nächte. Lediglich in Barcelona und Lissabon wurde es ein paar Tage länger aus strategischen Gründen. Ich wusste, dass ich in Lissabon noch einiges zu erledigen habe und an Barcelona stellte ich die höchsten Erwartungen. Die einzelnen Städte und Orte in den Ländern, die ich bereiste, habe ich sehr kurzfristig ausgewählt. Sehr oft habe ich erst zwei bis drei Tage vor meiner Weiterreise die nächste Unterkunft gebucht. Das war risikoreich, aber zu diesem Zeitpunkt möglich, da coronabedingt noch wenig Reisende unterwegs waren. Auch die Hauptsaison war in den meisten Ländern schon vorbei. Somit konnte ich spontan noch richtig gute Unterkünfte ergattern. Vielleicht sogar zum Last-Minute-Schnäppchen. Wer weiß das schon. Ich habe alles an Schlafmöglichkeiten ausprobiert, was mir in den Weg kam oder gerade passend war. Von klassischen Ferienwohnungen, Airbnb, Hotels oder eben Hostels. Oder in der Schweiz halt die Jugendherberge. Jede Art von Unterkunft hatte ihre Vor- und Nachteile. Es gab supermoderne und saubere Hostels und Horrorfundstücke. Das Schlimmste kam jedoch erst in Australien. Dazu teile ich ganz sicherlich wann anders meine Erfahrungen.

Portugal als Wendepunkt meiner Reise

Vieles überließ ich also dem Zufall. Ich hatte keine wirklichen Pläne im Vorfeld, was ich wo sehen möchte, sondern habe mich einfach in die Kulturen der Regionen kopfüber reingestürzt. Die einzigen Ankerpunkte waren die Länder und die grobe Route, die ich mir ausmalte. Es sollte auf jeden Fall keine allzu langen Bahnfahrten geben. Und es sollte immer weiter Richtung Süden gehen, denn da wartete noch der Sommer oder zumindest Spätsommer auf mich. Anfang November war dann ein wichtiger Termin in Köln, den ich unbedingt wahrnehmen musste. Also musste die Route mich zu dieser Zeit durch Deutschland führen. Es sollte aber auch nicht das Ende sein. So wurde es eine Art Rundreise im Kreis. Ich startete in Belgien und fuhr über Frankreich Stück für Stück nach Spanien, bis ich in Portugal am südlichsten Punkt angekommen war. Ist Lissabon der südlichste Punkt von Portugal? Von meiner Europatour war es zumindest der südlichste Punkt. Ein Wendepunkt. Denn von dort an ging es wieder immer weiter Richtung Norden. Da ich auf einen erneuten Trip durch Spanien keine Lust hatte, musste ich gezwungenermaßen an dieser Stelle auf den Flieger umsteigen. Alle Wege führen nach Rom und von da an durch Italien bis zu unseren Nachbarn und schließlich nach Köln für ein Wochenende. Die letzten Wochen der Interrail-Reise habe ich dann in Skandinavien genossen. Zugegeben es war Ende November kalt, verregnet und dunkel in Schweden und Dänemark. Aber mit Kopenhagen fand ich nochmal ein Highlight zum Schluss. Nein, es war eigentlich schon fast das Highlight. Barcelona hat alle Erwartungen erfüllt, aber die Hauptstadt Dänemarks hat mich auf irgendeine Weise noch mehr abgeholt.

In Italien habe ich mich für Florenz entschieden

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Elf Länder in zwei Monaten

Am Ende ist folgender Reiseplan dabei rausgekommen. An manchen Stelle musste ich lange überlegen und zwischen Alternativen entscheiden. An der Côte d’Azur zwischen Marseille und Nizza. Monaco oder Lyon. In Italien waren es Florenz und Bologna. Letzteres Ziel habe ich doch noch ein paar Monate später nachgeholt – zum Glück. Es gab aber auch Städte die definitiv gesetzt waren. Ich glaube jeder sollte wenigsten einmal in seinem Leben in Barcelona, Rom oder Paris gewesen sein. Das sind schon Klassiker. Und falls ihr euch fragt, weshalb Wien ganz zum Schluss und abseits der Gleisen steht: Ich war bei einem Freund zu Besuch und er hatte einfach vorher keine Zeit. So konnten wir dann wenigsten auch einen Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt trinken. Ein paar Tage bevor sie durch die österreichische Politik dichtgemacht wurden. Und ja, ich zähle den Vatikan als eigenes Land zu dieser Interrail-Reise. Rein statistisch.

Brüssel

Paris

Cannes

Marseille

Barcelona

Sitges

València

Madrid

Lissabon

Rom

Florenz

Mailand

Vatikanstadt

Zürich

Köln

Hamburg

Kopenhagen

Malmö

In Liebe,

Jasper

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