Ist die DFB-Elf noch unsere deutsche Nationalmannschaft?

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Krisenstimmung in Deutschland

Die deutsche Nationalmannschaft bestreitet am Montagabend ihr 1000. Länderspiel in Bremen. Eigentlich ein Grund zum Feiern. Aber die Stimmung vor der Jubiläumspartie im Norden sieht gar nicht gut aus. Die Fans zerreißen erneut die Mannschaft im Netz und es hagelt massenweise Kritik an der DFB-Führung. Ein Trend bei den Fans, der sich bereits seit Jahren abzeichnet. Oder sind es inzwischen nur noch Zuschauende und keine Fans mehr?

Bist du noch Fan der deutschen Nationalmannschaft?

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Die Ukraine im Fokus

Erneuter Fehltritt. Die DFB-Auswahl trifft im Bremer Weserstadion – ausgerechnet – auf die Ukraine. Zusätzlich werden die Spieler in einem eigens dafür entworfenen Sondertrikot auflaufen, welches im Anschluss für die Ukraine-Hilfe versteigert werden soll. Schon wieder ein politischer Hintergrund. Schon wieder ein politisches Statement. Zweifelsfrei eine gute solidarische Aktion in Zeiten des Ukraine-Kriegs, aber keineswegs hilfreich in der aktuellen Krise der Nationalmannschaft. Im Gegenteil.

Die Fans identifizieren sich nicht mehr mit der deutschen Nationalmannschaft

Schlechte Ergebnisse, lustlose Auftritte der Spieler und mehrfaches vorzeitiges Ausscheiden in Finalrunden sind nur ein Aspekt, der zum Zwiespalt zwischen Fans und Mannschaft führte. Das ist der sportliche Teil. Vielmehr rückte in den vergangen Jahren ein viel größeres Problem in den Vordergrund. Es gibt ein Identifikationsproblem. Die Fans stehen nicht mehr hinter dem, wofür der DFB steht und was er macht. Die Fans distanzieren sich immer weiter von der Mannschaft. Immer wieder gibt es einen neuen Negativrekord bei den TV-Quoten und auch die Ticketverkäufe verliefen in der jüngsten Vergangenheit eher schleppend. Die Fans wollen kein Marketingprodukt, wie es unter dem ehemaligen Sportdirektor Oliver Bierhoff oftmals erschien. Auch Politik soll aus dem Stadion ferngehalten werden. Die Fans schreien nach Fußball und wollen Fußball sehen. Daneben noch Fußball und Fußball.

Trendwende in Sicht?

Zuletzt war noch die Hoffnung gestiegen als mit Rudi Völler eine beliebte Legende der deutschen Fußballgeschichte die Verantwortung beim DFB übernommen hat. Seine gefühlt erste Amtshandlung war die Abschaffung der umstrittenen Regenbogen-Kapitänsbinde und das Zurückholen der Binde in Deutschlands Nationalfarben. Aber offensichtlich war es das auch schon. Wann hört der DFB endlich auf die Wünsche der Fans?

Dabei wäre eine Trendwende so wichtig vor der bevorstehenden Europameisterschaft in Deutschland. Die goldene Generation ist ohne Frage vorbei. Die Stimmung und Unterstützung der Fans sind wichtiger 

denn je. Denn inwiefern die Unterstützung eine qualitativ mäßige Mannschaft beflügeln kann, haben alle bereits 2006 in Deutschland erlebt und auch in Katar beim australischen Team. Es war erst das zweite Mal, dass Australien ein Achtelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft erreicht. Es mag Zufall oder Glück im Spiel dabei gewesen sein, aber eine Sache ist sicher. Der Fußball genießt in Down Under bereits seit mehreren Jahren einen Aufwind und die Socceroos, wie man sie in Australien liebevoll nennt, werden enorm im eigenen Land gefeiert. Es war ein unglaubliches Gefühl als ich mit tausenden Menschen, aufgrund der Zeitverschiebung, mitten in der Nacht in Melbourne beim Public Viewing stand. In Deutschland würden um diese Zeit einige nicht einmal den Weg zum Fernseher finden.

Australische Fans feiern nachts auf dem Fed Square in Melbourne.

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Die deutsche Nationalmannschaft muss diese Begeisterung nun auch wieder im eigenen Land verspüren. Andernfalls droht eine Katastrophen-Heim-Europameisterschaft.

In Liebe,

Jasper