14 Länder auf vier Kontinenten in zwei Jahren: Mein Weg zum Backpacking!

14 Länder auf vier Kontinenten in zwei Jahren: Mein Weg zum Backpacking!

Während meiner Rundreise durch Europa machte ich Halt in València

Endlich in Australien angekommen. Einfach weit, weit weg von Allem. Von allen Problemen, Sorgen, Ängsten. Von allen Menschen, die einen jahrelang verletzt haben oder über die ich mir zu viele Gedanken gemacht habe. Jetzt sind sie kilometerweit entfernt. Am anderen Ende der Welt – zumindest aus deutscher Sicht betrachtet.

Viele hielten es für eine Schappsidee, welche mich über Nacht ereilte, aber der Traum von Down Under kam nicht über Nacht. Auch wenn viele meiner Freundinnen und Freunde über ihre Auslandsjahre berichteten. Spätestens seit jenem Abend, als ich mit einem meiner elendigen Fuckboys im Bett lag, angekuschelt und er mir verriet, dass er von einem zweiten Jahr in Australien träume, es gar fest plane. Sein Untergang tief im Inneren in mir. Wie konnte man nur etwas Festes aufbauen, wenn dein Freund nach nur kurzer Zeit wieder ins Ausland flüchtet? Die Idee vom Land der Kängurus und Koalas war niemals unüberlegt, niemals zu wenig durchdacht. Nächte habe ich darüber nachgedacht, wann ist der richtige Zeitpunkt, reicht mein Geld aus, wie viel Geld brauche ich und wo bekomme ich die Kohle überhaupt her? Schließlich war während meiner Studienzeit meine finanzielle Lage zuletzt über Jahre mehr als angespannt. Ja, sie ist es immer noch, aber ich hoffe es zahlt sich irgendwann aus. Ich bin mir sicher, es zahlt sich in Zukunft aus. Ich muss zugeben, dass üblicherweise die meisten Reisenden direkt nach ihrem Abitur ins Abenteuer Work and Holiday starten, aber zu diesem Zeitpunkt in meinem Leben wäre es die reinste Träumerei gewesen. Unrealistisch. Ich war froh, dass ich nach der Schule überhaupt den Sprung nach Köln geschafft hatte, in die nächstgelegene größere Stadt. Meine Emanzipation von der Familie, alten Wegbegleitenden, die mehr Last waren als sie mir jemals Kraft gaben. Für diesen ersten Schritt ging das erste Geld drauf, was ich verdiente. Ich hatte mein Geld zunächst in den Aufbau meines eigenen und familienunabhängigen Lebens gesteckt, bevor ich überhaupt an teure Reisen denken konnte.

Wann ist jetzt der richtige Zeitpunkt in meinem Leben?

Wann kann ich in die große, weite Welt aufbrechen? Ich habe mich dazu entschlossen erst meine Ausbildung, Weiterbildung und schließlich mein Studium zu beenden, bevor ich nach Australien fliege. Und als Vorbereitung sollte es zwei Monate durch Europa gehen. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn ich stundenlang geflogen wäre, um herauszufinden, dass ich in Hostels nicht schlafen kann. Dass ich mit einem einzigen Trekking Backpack und einer Hand voll Sachen nicht über eine längere Zeit auskomme. Nun gut, es wäre kein Weltuntergang geworden, aber der Optimalfall würde auch anders aussehen. Immerhin habe ich allein für den Hinflug knapp 1500 Euro ausgegeben. Eine Probezeit sollte es geben. Und erst wenn diese überwunden ist, können die Planungen für Australien losgehen. Zwei Monate mit einem Interrail-Ticket quer durch Europa.

Gare de Lyon in Paris

Probezeit bestanden!

Es wurden unglaubliche acht Wochen, in denen ich durch elf Länder und 17 Städte gereist war. Von Belgien über Frankreich bis nach Portugal und wieder zurück Richtung Norden bis nach Schweden. Und diesmal war es schon der richtige Zeitpunkt. Mein Studium war so gut wie beendet. Die ersten länderübergreifenden Lockerungen während der Corona-Pandemie machten Reisen in Europa wieder unbeschwerter. Zwei anstrengende Lockdowns lagen hinter uns. Die weiteste Entfernung, die ich wochenlang zurückgelegt habe, war der nächste Supermarkt. Das Highlight der Woche war der Spaziergang mit einem Freund im Park. Über ein Jahr habe ich mir keinen einzigen Urlaubstag genommen, mehr oder weniger dank Sonderreglung meines Arbeitgebers. Jetzt sollte es endlich losgehen. Also habe ich den gesamten Jahresurlaub plus Resttage aus dem vergangenen Jahr beantragt und bin am 30. September 2021 meine erste Strecke mit dem Zug nach Brüssel gefahren. Meine Wohnung habe ich pünktlich zum Monatsende gekündigt. Eine knapp 20qm kleine Studentenwohnung in Köln-Ehrenfeld zu Münchner Wohnungspreisen, die ich sowieso hätte nach ein paar weiteren Monaten verlassen müssen, da ich dann exmatrikuliert wurde. Die Möbel waren Bestandteil der Miete. Wirklich viele Sachen besaß ich nie. Vier Umzugskartons bekam ein Freund von mir in den Keller gestellt, der Rest kam in meine Reisetasche. Eine neue eigene Wohnung sollte ich bis heute nie wieder besitzen. Meine Wohnung sind die größten Städte, schönsten Länder und weitesten Meere dieser Welt. Das Meer, das richtige und große weite Meer, welches ich fast bis zu diesem Zeitpunkt nie zuvor in meinem Leben gesehen hatte.

Das erste Mal am Meer stellte ich mir in meinen Träumen anders vor

Das erste Mal am Meer!

Natürlich sind Traditionen wichtig. Insbesondere Familientraditionen. Und andere Kinder hatten es noch schlechter. Und was hätte ich schon als Einzelkind und später Jugendlicher bewirken können? Mein ganzes Leben lang gab es nur einen Urlaubsort. Jedes Jahr, zur gleichen Zeit, an gleicher Stelle. In dem nahezu gleichen Wohnwagen. Okay, einmal haben sich meine Eltern einen neuen Wohnwagen zulegt und einen Sommer ging es auch an die Nordsee für ein paar Tage. Ich weiß nicht genau, an welchen Strand, aber einen Strand ohne Sand und voller Steine hatte ich mir in meinen Träumen nicht ausgemalt. Wenn ich genau hinsah, sah ich auch immer am anderen Ende wieder Festland. Egal, ob mich meine Erinnerungen täuschen oder nicht, es war einfach nicht das große, weite Meer, nach dem ich mein ganzes Leben lang Sehnsucht hatte. Welches ich schon hätte viel früher sehen können als ich alt genug war. Aber ich bin und bleibe wahrscheinlich ein kitschiger und nie erfüllter Romantiker. Ich hatte mir immer geschworen, dass ich so lange warte, bis ich das erste Mal ans Meer fahre, bis ich diesen einen Moment mit meinem Freund – der Person, die ich über alles liebe – erleben darf. Über 27 Jahre habe ich auf diesen einen Glücksmoment gewartet. Ich sollte und werde ihn nie erleben. Kurz bevor ich meine Europareise antrat, luden mich zwei Freunde, welche inzwischen erfolgreich nach Gran Canaria ausgewandert sind, zu sich auf die Insel ein. Ich hatte lange überlegt. Es war das Ende dieses Traums. Das erste Mal am Meer, Hand in Hand mit deinem Freund. Die ersten Wellen rauschen hören, während du in den Armen von ihm liegst und den warmen Sand unter deinen Füßen spürst. Es hätte ein unglaubliches Gefühl sein müssen. Ich hätte wahrscheinlich voller Freudentränen ihm den Heiratsantrag gemacht. Er wäre für immer in meinen Erinnerungen geblieben, egal was noch passiert wäre. Es hätte so unglaublich sein müssen, weil es einfach schon ohne ihn unbeschreiblich war.

Als ich an meinem ersten Abend allein durch die Dünen Maspalomas im Sonnenuntergang gegangen war, wurde mir wieder bewusst, dass ich von dieser Welt bis zu diesem Zeitpunkt noch nichts gesehen hatte. Es war bis dato mein verdammt nochmal erster Flug außerhalb Deutschlands. Wenn nicht einer meiner Freunde mich ich den Flieger nach Berlin gesetzt hätte, dann wäre es sogar mein erster Flug im Leben gewesen. Und wie lange bleibt mir noch die Zeit? Wie lange habe ich noch die Möglichkeit zu reisen? Ich möchte irgendwann, wenn ich alt und vielleicht auch krank und nicht mehr wirklich beweglich bin, zuhause im Sessel sitzen, in mein Fotoalbum sehen und zu mir sagen können: „Jasper, wenn du jetzt gehst, dann ist das okay. Denn du hast so viel Schönes auf dieser Welt gesehen. Du warst überall und hast alles gemacht, was du machen konntest.“

Dünen von Maspalomas

Dankbarkeit für jede einzelne Reise!

Wir sollten Reisen viel mehr als Privileg unserer Zeit ansehen. Viele von uns halten es für zu selbstverständlich zwei Mal im Jahr nach Spanien oder in die Türkei zu fliegen. Riesen ist Luxus, den viele Menschen nicht erfahren dürfen in ihrem Leben. Sei es für Menschen aus Entwicklungsländern, Kriegsgebieten oder armen sozialen Verhältnissen. Wir sollten uns immer vor Augen führen, dass vor gar nicht allzu langer Zeit selbst für viele Deutsche aus dem Osten Reisen in andere Länder nahezu unmöglich waren. Reisen ist ein Privileg, welches wir in voller Dankbarkeit nutzen sollten, denn keiner von uns weiß, wie lange er noch die Möglichkeit dazu hat. Und aus dieser Perspektive bin ich sehr dankbar und froh darüber, dass ich in den knapp zwei vergangenen Jahren in 14 Ländern auf drei Kontinenten war.

Du willst mehr erfahren über meine Rundreise quer durch Europa? Dann schau dir meinen nächsten Blogbeitrag an und die Liste aller Länder und Städte, die ich in zwei Monaten besucht habe.

In Liebe,

Jasper